Zahlen statt Blumen
Seit letztem Jahr leben mehr als eine halbe Million Menschen im Großherzogtum. Die Bevölkerung Luxemburgs wächst und wächst – und mit ihr werden die Herausforderungen für das soziale System größer.
Text: Stefan Kunzmann
stefan.kunzmann@revue.lu
Fotos: Tom Faber
Die erste Entscheidung war die falsche. Ich stehe vor dem Warteraum des Centre Hamilius und will mich als neuer Bürger der Hauptstadt anmelden. Ich ziehe B für «Naturalisations». Nach ein paar Minuten leuchtet meine Nummer auf und ich betrete ein Büro. Die Sachbearbeiterin erklärt mir, dass ich als Ausländer eine A-Nummer hätte ziehen sollen. Dann sagt sie, welche Unterlagen ich als Bürger der Europäischen Union brauche: einen Personalausweis, eventuell eine Heiratsurkunde und einen Arbeitsvertrag. Ohne den erhalte ich nur eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Monate. Diese wird unbefristet, wenn ich einen Job finde. Alles hat seine Grenzen, auch die Freizügigkeit innerhalb der Schengen-Staaten.
Der Glückliche heißt Felisberto. Er kommt gerade aus dem Gebäude der Gemeindeverwaltung. Seine Anmeldung war reine Formsache, die Aufenthaltserlaubnis für den Portugiesen als EU-Bürger selbstverständlich. Er hat einen festen Job bei einer Baufirma. Das ist keine Selbstverständlichkeit in Zeiten der Krise. Viele seiner Landsleute sind bei einer Leiharbeitsfirma und können jederzeit wieder auf der Straße landen. «Arbeit, Wohlstand und ein besseres Leben» erwartet Felisberto von seiner neuen Heimat. Die Frage, was es für ihn bedeutet, ein neuer Einwohner in Luxemburg zu sein, beantwortet er mit einem Schulterzucken.
Seit Ende vergangenen Jahres leben mehr als eine halbe Million Menschen im Großherzogtum. Doch wer genau der 500.000. Einwohner war, bleibt unbekannt. Er ist ein Phantom.
Den ganzen Beitrag lesen Sie in der Revue Nr. 30/10




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