Die Formel Lopez
Der Einstieg in die Formel 1 hat den gebürtigen Escher Gérard Lopez in die internationalen Schlagzeilen katapultiert. Doch so risikofreudig der erfolgreiche Geschäftsmann ist, so sehr scheut er das Licht der Öffentlichkeit.
Text: Beatrix Binder
beatrix.binder@revue.lu
Laurent Graaff
laurent.graaff@revue.lu
Er ist extrem medienscheu», bestätigt einer seiner Kumpel vom Fußball, sichtlich stolz auf «de gudde Kolleg, de Gérard». Namentlich genannt werden will er nicht. «Bis vor zwei Jahren hat er noch bei uns in der dritten Mannschaft gekickt», unterstreicht er die enge Beziehung des Präsidenten der Escher Fola zu seinem Heimatverein. Eine Liaison, die gewichtige Konkurrenz bekommen hat, seit der Luxemburger Investor Genii Capital mit Gérard Lopez an der Spitze sich zu zwei Drittel am Formel-1-Team von Renault beteiligt hat. So wird aus dem «Escher Jong», dessen Name noch auf der Türklingel im «Bourgronn» steht, auf einen Schlag eine international bekannte Größe.«Sicher, er ist im Moment sehr beschäftigt, aber das war er schon immer», sagt Fola-Vizepräsident Gilbert Goergen, Lopez’ rechte Hand im Verein. Trotzdem habe Lopez bereits signalisiert, für die nächste Amtszeit zur Verfügung zu stehen. «Er unterstützt unser Bestreben, ausländische Mitbürger in unser familiäres Vereinsleben zu integrieren», sagt Goergen. Natürlich habe der Verein durch die neuen Sponsoren mehr Möglichkeiten, was ihm sportlich zugute komme. In der Tat hat der älteste Fußballverein des Landes unter Lopez im Jahr 2008 den Sprung in die Nationaldivision geschafft und in der BGL Ligue aktuell auf Rang vier. Alle hoffen, dass Lopez zum Spiel gegen die Jeunesse am 14. März kommt. Was wahrscheinlich ist, denn er hat es sich auch nicht nehmen lassen, ein paar Stunden nach der Bekanntgabe des Renault-Deals am 16. Dezember mit den Spielern eine Pasta-Party zu feiern. Die Begeisterung des Gérard Lopez für den Rennsport ist nicht neu: Zusammen mit dem Luxemburger Eric Lux, der die Mehrheit an Genii Capital hält, lenkt der Spanier schon mal den amerikanischen Supersportwagen Mosler MT 900 GT3 über die Rennpiste. Nicht ohne Erfolg: Beim 24-Stunden-Rennen in Dubai vor zwei Monaten belegen Lopez und Lux unter der Flagge von Gravity Racing im Qualifying den zweiten Platz. Lopez und Lux sitzen zudem im Verwaltungsrat von Gravity Sports Management, übrigens zusammen mit dem Luxemburger Unternehmer Flavio Becca, der in Spa-Francorchamps ein Hotel an der Rennstrecke baut. Becca ist bekanntlich auch der Mäzen bei Landesmeister F91 Düdelingen. Gravity Sports Management ist eine Gesellschaft, die junge Fahrer im Rennsport ausbildet und managt. Da liegt der Einstieg in die Königsklasse des Rennsports nahe. Dass dabei auch Herzblut im Spiel ist, beweist die Aussage von Lopez in einem PaperJam-Interview: Von seinem ersten Taschengeld habe er sich ein Miniaturauto gekauft, einen Lotus F1.
Diskretion scheint auf alle Fälle zu seinem Erfolgsrezept zu gehören: So freundlich und unkompliziert der Spanier mit dem nach hinten gegelten Haar im persönlichen Umgang ist, so zurückhaltend ist er derzeit gegenüber der Presse: «Ich habe momentan kein Interesse an einem Interview und mache nur das Notwendigste – was vertraglich mit Renault vorgesehen ist», antwortet er auf die Anfrage der Revue. «Er macht in der Tat einen etwas medienscheuen Eindruck, aber nicht, weil er wirklich scheu ist, sondern eher, weil er intelligent genug ist, um zu wissen, dass die Medien die Dinge verkomplizieren können», sagt ein Motorsport-Journalist.

Neben seinem Heimatverein, der Escher Fola, lässt der gebürtige Escher nur mehr den FC Barcelona gelten.
Aber Lopez wäre nicht Lopez, würden hinter dem Formel-1-Engagement nicht knallharte Geschäftsinteressen stecken. In einem Interview mit dem Internetportal www.motorsport-total.com erklärt er das folgendermaßen: «Alles, was wir tun, ist, Firmen so ziemlich aus dem Nichts aufzubauen und ihr Wachstum zu unterstützen, indem wir Beziehungen zu größeren Firmen herstellen. Wenn wir mit diesem Modell also in einem Umfeld Erfolg haben, das nicht in der Öffentlichkeit steht, dann glauben wir in einem Umfeld wie der Formel 1, das sehr in der Öffentlichkeit steht, umso mehr daran.» Konkret nennt Lopez das Beispiel «Nimbuzz», ein internetbasierter Kommunikationsdienst, vergleichbar mit Skype, der für mobile Geräte entwickelt wurde und mittlerweile 15 Millionen User weltweit hat. «Unser Ansatz ist, dass diese Firma indirekt Partnerschaften gewinnen wird, aber die Partner, die in die Formel 1 kommen, werden am meisten profitieren.» Nicht weiter verwundert dabei, dass Lopez mit seiner Investment-Firma Mangrove Capital Partners unter anderem auch Nimbuzz in seinem Portfolio hat. Seinen größten Deal hat Mangrove Capital im Jahr 2005 mit dem Verkauf von Skype gemacht. 3,1 Milliarden Dollar hat Ebay dafür gezahlt.
Mut zum Risiko lohnt sich also, nicht nur am Steuer eines Sportwagens, sondern auch im Business. Seinen Geschäftssinn hat Lopez, der aus einfachen Verhältnissen stammt, früh geschult: Mit 17 Jahren verlässt er die Enge des «Escher Bourgronn», wo seine Eltern heute noch leben, für eine sechsmonatige Studienreise in die USA. Die Studienreise hat er bei einem Wettbewerb gewonnen. Er bleibt in den USA, um an der Miami University in Oxford im US-Bundesstaat Ohio zu studieren. Der Informatik-Freak Lopez macht dort seinen Abschluss in zwei Hauptfächern, in «management information systems» und «operational management».
Sein IT-Know-how will der Uni-Absolvent in den USA umgehend nutzen, um sich selbstständig zu machen. Dafür fehlt ihm aber das nötige Geld. In einem frühen PaperJam-Interview aus dem Jahr 2001 erzählt er von seiner Suche nach Finanziers. Dabei habe er einen möglichen Kunden von seiner Studentenbude aus angerufen und ihm vorgemacht, er sei Chef einer Multimedia-Firma. Treffpunkt war eine Hotelbar, die er sich eigentlich gar nicht leisten konnte. Die ersten Anschaffungen als Firmenchef von «Icon Solutions» habe er dann mit einer Kreditkarte von der Bank um die Ecke gemacht. Das ist 1994, damals ist er 23 Jahre alt.
Nach viel versprechenden Anfängen kehrt Lopez aus familiären Gründen nach Luxemburg zurück. Er heuert bei der Unternehmensberatung Arthur Andersen an, wird als Direktor für Luxemburg und Belgien für neue Technologien zuständig und ist verantwortlich für verschiedene IT-Firmen. Ein kurzes Zwischenspiel absolviert er von 1999 bis 2000 bei Aurora, einem Digital-TV und e-Commerce-Portal im Großherzogtum. Ein Zwischenspiel mit wenig erfolgreichem Ausgang, denn das Unternehmen geht Pleite.
Mittlerweile hat Lopez aber schon ein Netzwerk von unternehmungslustigen jungen Mitstreitern aufgebaut. Zusammen mit ehemaligen Kompagnons von Arthur Andersen, Mark Tluszcz und Hans-Jürgen Schmitz, gründet der Spanier im Jahr 2000 Mangrove Capital Partners. Lopez ist der jüngste, keiner der Beteiligten ist über Mitte dreißig. Benannt ist die Firma nach Mangroven, Sumpfpflanzen an Meeresküsten, die durch ihre ausgeprägten Wurzeln schlimmste Stürme überstehen können. Und die Jungs machen, was Lopez in seiner Anfangszeit noch mit seiner Kreditkarte gemacht hat: Sie sammeln Geld von Investoren, das sie in junge IT-Firmen stecken. 2001 verwaltet Mangrove Capital bereits 50 Millionen Euro. Mit dem Skype-Deal werden sie reich.
Aber Lopez will sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. 2008 wird er Präsident des Verwaltungsrats bei Genii Capital, wo Eric Lux Hauptinvestor ist. Die Gesellschaft scheint auf den Automobil-Sektor fokussiert zu sein. Jedenfalls bietet sie im Februar dieses Jahres zusammen mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone für Saab. Sie ist an Movit beteiligt, einer Firma, die Hochleistungsbremsanlagen als Tuningteile anbietet und Sponsor der Fola ist. Am Sitz von Genii Capital in Howald firmieren neben anderen Firmen von Lux die Gesellschaften Gravity Sports Management und Gravity Racing International. Lopez selbst hat sein Büro bei Mangrove am Boulevard Joseph II, wo auf seinem Schreibtisch ein Rennfahrerhelm liegt.
Privat residiert der Spanier nicht mehr in dem schmalen Arbeiterhaus im Escher «Bourgronn». Sondern in einem modernen Gebäudekomplex mit privater Zufahrtsstraße und Alarmanlage. Mit Kameras an der Zufahrt und am Haus. In einem verschwiegenen Viertel eines Ortes im Südosten des Landes, wo kaum Namen an den Briefkästen stehen. Aus seinem Privatleben ist nichts weiter bekannt, außer dass er mit einer gebürtigen Rumänin verheiratet ist. Doch seine zwei Doppelgaragen erzählen von seinem Hang zu schnellen Autos: Sie sind bestückt mit einem Manhart BMW M3 (420 PS), einem Infinity FX50, einer Cayenne-Kopie aus Fernost, einem Aston Martin Vantage, einer Chevrolet Corvette sowie einem Cadillac DeVille. Aber an der Klingel steht kein Name mehr.
Die Fahrer vom Formel-1-Rennstall Renault
Witalij Petrow, 25:
Der erste Russe in einem Formel-1-Team bringt 15 Millionen Euro
on Sponsoren als Mitgift mit und soll Quotenbringer für die
Live-Übertragung in seiner Heimat werden.

Robert Kubica 25:
Der Pole aus Krakau startet seit 2006 als erster Pole in der Formel 1, zuerst bei BMW-Sauber, seit diesem Jahr für Renault. Spektakulär war sein Unfall in Kanada 2007.




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